Der Sihlsee
Die Anlage des Stausees erforderte die Erwerbung von 11 Millionen m2 Landfläche, wovon 14% unproduktives Land, 45% Torf- und Streuland und 41% Pflanz-, Wies- und Weideland waren. Als Realersatz für die unter Wasser gesetzten Heimwesen wurden 30 neue Siedlungen erstellt, an die das Etzelwerk angemessene Beiträge leistete. Bei den Dörfern Willerzell und Euthal wurden Abschlussdämme, Aufschüttungen und Pumpanlagen, beim Dorf Gross Aufschüttungen und am Südende des Sees ein Abschlussdamm mit Pumpanlage ausgeführt. Zur Verbindung des Gebietes am rechten Seeufer mit dem Bezirkshauptort Einsiedeln erstellte die EWAG bei Willerzell einen Viadukt von 1115 m und bei Steinbach eine solchen von 412 m Länge. Im weitern waren 29 km Stra-ssen und Brücken und ausgedehnte Fluss- und Bachverbauungen auszuführen.
Das Einzugsgebiet des Sihlsees beträgt 156,5 km2. Der Hauptanteil fällt auf die Zuflüsse Minster (62.5 km2), Sihl (32,2 km2), Eubach (9,6 km2) und Grossbach (10,6 km2). Das gesamte Einzugsgebiet liefert im Jahres-mittel einen natürlichen Seezufluss von 236 Mio m3. Der Stausee fasst einen nutzbaren Inhalt von 92 Mio m3. Mit diesem Zufluss kann er im Mittel 2,5mal pro Jahr gefüllt werden.
Gemäss Konzession darf die Wassernutzung der Sihl keine vollständige sein. Die Sihl ist aus dem Stausee so zu dotieren, dass ihre Wassermenge beim Eintritt in den Kanton Zürich nie unter 2,5 m3/s zurückgeht. Diese Restwassermenge in der Sihl erfordert durchschnittlich pro Jahr 22,2 Mio m3 oder 9,4% des natürlichen Seezuflusses.
Die maximale Staukote des Sees liegt auf 889.34 ü.M. Vom 1. Juni bis 31. Oktober darf die Kote 887.34 nicht unterschritten werden. Bei Nichteinhaltung dieser Verpflichtung ist eine Busse, das sogenannte "Muggengeld", zu bezahlen. Der vorgeschriebene freie Spielraum vom 2 m für die Seefüllung entspricht einem Stauinhalt von 21 Mio m3. Er genügt oft nicht zum Auffangen von vorwiegend in den Sommermonaten anfallenden ausserordentlichen Hochwassern. So gehen im Durchschnitt pro Jahr 9,4 Mio m3 zusätzlich durch Wehrüberlauf der Energienutzung verloren.
Die See-Abschlüsse
Die Staumauer in den Schlagen ist im Molassefelsen der Sihlschlucht fundiert. Sie ist eine massive, gerade Schwergewichtsmauer mit dreieckigem Querschnitt. Die Mauerkubatur (Beton und Verkleidung) beträgt 28000 m3. Beim rechten Widerlager der Mauer befindet sich der Stolleneinlauf mit der Schieberkammer, von wo ein 2900 m langer Druckstollen nach dem Wasserschloss führt. Der Druckstollen teilt sich nach dem Wasserschloss in zwei Druckleitungen von je 2200 m Länge, durch die das Triebwasser in die Zentrale bei Altendorf gelangt.
Gegen das Alptal ist der Sihlsee durch den Hüendermattdamm abgeschlossen. Ein zentral gelegener Lehmkern, der in 2,5 bis 5,3 m Breite von der Dammkrone nach dem Fundament hinuntergeführt und dort mit dem kompakten Untergrund verzahnt ist, dient als Dichtung. Auf er Seeseite ist der Damm durch eine Trockenpflästerung geschützt. Das Gesamtvolumen beträgt 64150 m3.
Der Abschlussdamm am Südende des Sees hat eine Länge von 800 m und einen Inhalt von 15600 m3.
Die Viadukte
Der aus Torf und Seeschlamm bestehende Untergrund weist eine geringe Tragfähigkeit auf. Er wurde deshalb für die beiden Sihlsee-Viadukte ein leichter Brückentyp gewählt.
Der Oberbau ruht auf Pendeljochen, die in regelmässigen Abständen von 20 bzw. 25 m angeordnet sind. Dies Pendeljoche stehen auf zwei pyra-midenförmig gerammten Pfahlgruppen von 5 bis 8 Holzpfählen. Zwischen den Pendeljochen befinden sich einzelne Standjoche, die mit der doppelten Zahl von Pfählen fundiert sind.
Die aus den Wäldern der Höhronen und des Waadtlandes stammenden Pfähle haben eine Länge bis zu 28 m. Sie wurden mit einer Dampframme in den Grund getrieben.